Oct
06

Neue Heimat in Berlin

Marc De Bonte ist ein langer schlanker Kerl (1,88 Meter) mit schnellen Händen. In einer alten DDR-Turnhalle absolviert er, unter der Regie des ehemaligen Sauerland-Trainers Otto Ramin, die letzten Trainingseinheiten vor seinem sechsten Kampf als Berufsboxer. Der 25Jährige steht im Ring auffallend aufrecht, so wie früher Marco Huck. Wie der WBO-Champion war auch De Bonte bereits Weltmeister im Kickboxen. Allerdings begann De Bonte bedeutend früher als Huck.

„Mit sechs Jahren habe ich in Belgien und Holland mit dem Kickboxen begonnen“, erklärt er nach seiner Trainingseinheit. „Mein Vater hat damals schon MMA und Kickboxen trainiert, aber keine Kämpfe absolviert. Sein Freund hatte einen Kickboxclub. So hat es damals für mich begonnen.“

Die Vorteile des frühen Starts liegen auf der Hand. „Durch die vielen Jahre im Ring, fühle ich mich dort wohl. Ich bin vor Kämpfen nicht mehr angespannt, sondern freue mich über die Herausforderung.  Es ist für mich etwas ganz normales geworden.“ Doch mit dem Treten ist es erst einmal vorbei. „Seit ich 21 Jahre alt bin, konzentriere ich mich ausschließlich auf das Boxen. Ich liebe aber Beides, Boxen und Kickboxen. Aber als Kickboxer habe ich alles erreicht. Ich war Weltmeister und kann jetzt nur noch gegen dieselben Leute kämpfen. Das wären nur Wiederholungen. Deshalb eröffnet mir das Boxen eine neue Welt. Es ist sehr interessant.“

Ausschlaggebend für den Wechsel waren die spektakulären TV-Kämpfe von Arthur Abraham.“ Ich habe mich nach einer Weltmeisterschaft von Abraham hochmotiviert in Berlin als Sparringspartner gemeldet und wurde gebucht. Darauf folgten viele Runden gegen Arthur Abraham, Dustin Dirks, Henry Weber oder Marcos Nader. Die Jungen hatten ein sehr hohes Niveau, an dem ich mich real orientieren konnte. Ich schlug mich ganz gut und später sprach mich der Berliner Box-Förderer Harald Lange ("Boxen statt Gewalt") an und vermittelte mir einen Vertrag als Berufsboxer.“

Viel geändert hat sich durch den neuen Job nicht. „Mein Geld habe ich schon immer durch das Kämpfen verdient. Gleich nach der Schule wurde ich Profikickboxer und konnte von den Börsen leben. Deshalb ist mein neues Leben als Boxprofi keine so große Umstellung für mich. Nur die Trainingsmethodik ist eine andere. Aber hier vertraue ich meinem Trainer Otto Ramin.“ Der erfahrene Coach musste einige wichtige Änderungen am Kampfstil des Belgiers vornehmen. „Am Anfang hatte ich durch das Kickboxen eine breitere Beinstellung und die falsche Distanz. Ich stand auch zu aufrecht. Aber seit 2-3 Monaten geht es leichter und ich werde besser.“

Heimweh nach Antwerpen hat der Kämpfer nicht. „Ich bin Profisportler und lebe in Berlin. Nur nach einem Kampf fahre ich für eine Woche nach Belgien zu meiner Familie. Berlin ist jetzt meine Heimat. Mein Leben besteht hier nur aus Training, Essen und Schlafen. Das ist das Beste für mich. Am Wochenende sehe ich mir manchmal mit den Trainingskollegen Berlin an. Aber nicht zu oft.“
Sportlich will er es möglichst schnell nach ganz oben schaffen. „Ich orientiere mich wie die meisten  an den Besten. Natürlich will ich gegen Jürgen Brähmer kämpfen. Hoffentlich ist er in zwei Jahren, wenn ich hoffentlich soweit bin, noch aktiv. Jürgen ich komme!“, spaßt De Bonte. „Ich bin zu schwer für das Super-Mittelgewicht und zu leicht für das Cruisergewicht. Ich bin also ein idealer Halb-Schwergewichtler.“

Nächster Kampf gegen ungeschlagenen Puncher


Bisher konnte der sympathische Sportler fünf Profikämpfe gewinnen. Seinen letzten Sieg holte er gegen den gefährlichen Puncher Leo Touchla. Nun kämpft er gegen einen ungeschlagenen Heißsporn. Am 2. Mai wird De Bonte in Berlin Marzahn gegen Fabian Raab (26) in den Ring steigen. Der Berliner ist seit acht Kämpfen ungeschlagen, Sieben gewann er durch Knockout. Karten für das packende Duell bekommt man am Kampftag an der Abendkasse ab 18:00 Uhr in der Eisenacher Straße 121. (Hauptkampf: Eddy Gutknecht gegen Steve Krökel)